Ohren
Krankheiten des Ohres betreffen das äussere Ohr – die Ohrmuschel mit Gehörgang und Trommelfell – das Mittel- und das Innenohr. Die Symptome reichen von Schmerzen und Ausfluss über Schwerhörigkeit und Ohrgeräusche bis hin zu Schwindel. Eine fachärztliche Untersuchung mit Ohrmikroskopie und Hörprüfung ist in der Regel der erste Schritt zur Abklärung.
Schwerhörigkeit
Schwerhörigkeit ist eines der häufigsten Gesundheitsprobleme und betrifft insbesondere ältere Erwachsene. Die altersbedingte Hörleistungsabnahme (Presbyakusis) beginnt meist schleichend und betrifft zunächst die hohen Frequenzen, was das Verstehen von Sprache in lauter Umgebung erschwert.
Man unterscheidet grundsätzlich zwischen Schallleitungsschwerhörigkeit (Problem im äusseren Ohr oder Mittelohr, z.B. Ohrenschmalz, Paukenerguss, Otosklerose) und Schallempfindungsschwerhörigkeit (Problem im Innenohr oder Hörnerv). Die Diagnostik umfasst Ohrmikroskopie, Stimmgabeltests, Reintonaudiometrie und Sprachaudiometrie.
Je nach Ursache stehen konservative Massnahmen (Hörgeräteversorgung), medikamentöse Therapien oder chirurgische Eingriffe (z.B. Paukendrainage, Tympanoplastik, Stapesplastik) zur Verfügung. Eine frühzeitige Abklärung und Versorgung ist wichtig, da unbehandelte Schwerhörigkeit zu sozialem Rückzug und kognitivem Abbau führen kann.
Ohrengeräusch (Tinnitus)
Tinnitus bezeichnet die Wahrnehmung von Geräuschen im Ohr oder im Kopf ohne äussere Schallquelle. Die Geräusche werden als Pfeifen, Rauschen, Summen, Klingeln oder Brummen beschrieben und können ein- oder beidseitig auftreten.
Tinnitus ist häufig Ausdruck einer Innenohrstörung und tritt oft zusammen mit einer Hörminderung auf. Mögliche Ursachen sind Lärmschäden, Hörsturz, Morbus Menière, Durchblutungsstörungen, Mittelohrerkrankungen, Medikamentennebenwirkungen oder Stress. In seltenen Fällen kann auch ein Akustikusneurinom zugrunde liegen.
Die Abklärung umfasst eine ausführliche Ohruntersuchung, Hörprüfung und gegebenenfalls bildgebende Verfahren (MRT). Die Therapie richtet sich nach der Ursache und kann medikamentöse Behandlung, Hörgeräteversorgung, Tinnitus-Retraining-Therapie oder kognitive Verhaltenstherapie umfassen. Eine fachärztliche Beurteilung wird empfohlen, insbesondere bei plötzlich auftretendem oder einseitigem Tinnitus.
Hörsturz
Ein Hörsturz ist ein abrupter, meist einseitiger Hörverlust ohne erkennbare äussere Ursache. Er tritt plötzlich auf – oft innerhalb von Sekunden oder Minuten – und kann von Ohrgeräuschen (Tinnitus), Druckgefühl im Ohr und gelegentlich Schwindel begleitet sein.
Die genaue Ursache ist in vielen Fällen nicht eindeutig feststellbar. Diskutiert werden Durchblutungsstörungen des Innenohrs, virale Infektionen, Autoimmunprozesse und Stress als mögliche Auslöser.
Die spontane Heilungsrate liegt bei ca. 40%. Mit einer frühzeitigen Behandlung – in der Regel mit systemischen oder intratympanalen Kortikosteroiden – kann die Heilungsrate auf etwa 60% gesteigert werden. Eine umgehende fachärztliche Konsultation und rasche Therapieeinleitung wird daher dringend empfohlen.
Schwindel und Morbus Menière
Schwindel ist ein sehr häufiges Symptom und kann vielfältige Ursachen haben. Das Gleichgewichtsorgan im Innenohr ist massgeblich an der Steuerung des Gleichgewichts beteiligt. Man unterscheidet systematischen Schwindel (Drehschwindel, Schwankschwindel) von unsystematischem Schwindel (Benommenheit, Unsicherheit).
Gutartiger Lagerungsschwindel (BPLS) ist die häufigste Form und wird durch verlagerte Ohrsteinchen (Otolithen) in den Bogengängen verursacht. Er lässt sich in der Regel durch gezielte Lagerungsmanöver (z.B. Epley-Manöver) innerhalb weniger Sitzungen erfolgreich behandeln.
Morbus Menière ist charakterisiert durch wiederkehrende Attacken von Drehschwindel (Minuten bis Stunden), Schwerhörigkeit, Tinnitus und Druckgefühl im betroffenen Ohr. Die Erkrankung wird durch einen Überdruck der Innenohrflüssigkeit (endolymphatischer Hydrops) verursacht.
Die Therapie umfasst medikamentöse Massnahmen (Betahistin, Diuretika), diätetische Empfehlungen (salzarme Ernährung) und in schweren Fällen chirurgische Optionen wie die Saccus-endolymphaticus-Drainage oder die intratympanale Gentamicin-Therapie.
Mittelohrentzündungen (akut und chronisch)
Die akute Mittelohrentzündung (Otitis media acuta) ist besonders im Kindesalter häufig und äussert sich durch plötzliche Ohrenschmerzen, Fieber und gelegentlich Ohrfluss. Sie entsteht meist durch eine aufsteigende Infektion über die Ohrtrompete (Eustachische Röhre) im Rahmen eines Atemwegsinfekts.
Bei Kindern können wiederholte Mittelohrentzündungen zu einem chronischen Paukenerguss führen, der das Hörvermögen beeinträchtigt und die Sprachentwicklung verzögern kann. Bei Erwachsenen kann ein hartnäckiger Erguss nach Infekten bestehen bleiben.
Die chronische Mittelohrentzündung (Otitis media chronica) kann sich als Schleimhauteiterung mit zentraler Trommelfellperforation oder als Knocheneiterung (Cholesteatom) mit Randperforation manifestieren. Das Cholesteatom erfordert eine operative Behandlung.
Therapeutische Optionen reichen von konservativer Behandlung (abschwellende Nasentropfen, Antibiotika) über die Trommelfellschlitzung (Parazentese) mit oder ohne Einlage eines Paukenröhrchens bis hin zu Tympanoplastik und Mastoidektomie bei chronischen Formen.
Cochlea Implantat (CI)
Das Cochlea Implantat ist eine elektronische Hörhilfe für Patienten mit hochgradiger Innenohrschwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit, bei denen konventionelle Hörgeräte keine ausreichende Hörverbesserung mehr erzielen können.
Das System besteht aus einem äusserlich getragenen Sprachprozessor mit Mikrofon und einem operativ eingesetzten Implantat mit Elektrodenträger in der Hörschnecke (Cochlea). Es wandelt Schallsignale in elektrische Impulse um, die den Hörnerv direkt stimulieren und so eine Hörempfindung erzeugen.
Die Implantation wird unter Vollnarkose durchgeführt. Nach der Operation folgt eine intensive Rehabilitationsphase mit regelmässigen Anpassungen des Sprachprozessors und Hörtraining. Die Ergebnisse sind bei den meisten Patienten sehr ermutigend, insbesondere wenn die Versorgung frühzeitig erfolgt.
Dr. Zehnder verfügt als ehemaliger ärztlicher Leiter des Cochlear Implantat Zentrums am Universitätsspital Basel über umfangreiche Erfahrung in der CI-Versorgung und berät Sie gerne zu den Möglichkeiten.
Hörgeräte, BAHA und aktive Mittelohrimplantate
Bei Schwerhörigkeit, die nicht operativ behandelt werden kann, stehen verschiedene apparative Versorgungsmöglichkeiten zur Verfügung:
Konventionelle Hörgeräte verstärken den Schall und sind bei den meisten Formen der Schwerhörigkeit die erste Wahl. Moderne digitale Hörgeräte bieten hervorragende Klangqualität und zahlreiche Zusatzfunktionen.
BAHA (Bone Anchored Hearing Aid) ist ein knochenverankertes Hörgerät, das den Schall über den Schädelknochen direkt an das Innenohr überträgt. Es eignet sich besonders bei Schallleitungsschwerhörigkeit, chronischen Gehörgangsentzündungen oder einseitiger Taubheit.
Aktive Mittelohrimplantate (z.B. Vibrant Soundbridge, Esteem) sind chirurgisch implantierte Hörsysteme, die die Gehörknöchelchenkette direkt in Schwingung versetzen. Sie kommen bei Patienten in Frage, die konventionelle Hörgeräte nicht tragen können oder wollen.
Für die Begutachtung und Expertisen im Rahmen der IV- und AHV-Hörgeräteversorgung sind zertifizierte Ohrenärzte zugelassen. Dr. Zehnder und Dr. Schlumpf sind als Mitglied der Schweizerischen Audiologiekommission berechtigt, diese Begutachtungen durchzuführen.
Ohrmuschelkorrektur (Otoplastik)
Die Otoplastik ist die chirurgische Korrektur abstehender Ohrmuscheln. Abstehende Ohren sind eine häufige ästhetische Veränderung, die insbesondere bei Kindern zu psychischer Belastung führen kann.
Der Eingriff erfolgt durch einen Schnitt hinter der Ohrmuschel. Durch Knorpelmodulation und Fadenfixierung wird die Ohrmuschel in eine natürlich wirkende Position gebracht. Bei Kindern wird der Eingriff ab ca. 5–6 Jahren empfohlen und unter Vollnarkose im Spital durchgeführt. Bei Erwachsenen ist die Operation in Lokalanästhesie ambulant in der Praxis möglich.
Der Eingriff dauert ca. 1–1.5 Stunden pro Seite. Anschliessend wird für ca. 1–2 Wochen ein Stirnband getragen. Sport sollte für 4–6 Wochen vermieden werden.
Gehörgangsentzündungen
Die Gehörgangsentzündung (Otitis externa) ist eine schmerzhafte Entzündung der Haut des äusseren Gehörgangs. Sie äussert sich durch starke Ohrenschmerzen, insbesondere bei Berührung der Ohrmuschel, sowie Juckreiz, Ausfluss und gelegentlich Hörminderung durch Schwellung.
Häufige Risikofaktoren sind Selbstmanipulation mit Wattestäbchen, Baden in verschmutzten Gewässern («Badeotitis»), Gehörgangsverengungen und übermässige Feuchtigkeit im Gehörgang. Auch Hauterkrankungen wie Ekzeme oder Psoriasis können das Auftreten begünstigen.
Die Behandlung umfasst eine professionelle Reinigung des Gehörgangs, lokale antibiotische und entzündungshemmende Tropfen oder Salben sowie eine adäquate Schmerztherapie. Bei schweren Verläufen kann eine systemische Antibiotikatherapie erforderlich sein. Zur Vorbeugung sollte auf die Reinigung des Gehörgangs mit Wattestäbchen verzichtet und nach dem Schwimmen der Gehörgang sorgfältig getrocknet werden.
Gesichtsnerv (Fazialislähmung)
Die periphere Fazialislähmung ist eine akute Schwäche oder Lähmung der Gesichtsmuskulatur einer Seite. Betroffen sind Stirnheben, Augenschluss, Naserümpfen und Mundwinkelanhebung. Die Patienten bemerken ein herabhängendes Augenlid, einen hängenden Mundwinkel und Schwierigkeiten beim Sprechen und Trinken.
Die häufigste Form ist die idiopathische Fazialisparese (Bell-Lähmung), die vermutlich durch eine Virusaktivierung verursacht wird. Die Prognose ist in der Regel gut: etwa 85% der Patienten erholen sich vollständig. Die Behandlung erfolgt mit Kortikosteroiden, gegebenenfalls ergänzt durch antivirale Medikamente.
Da die Lähmung auch durch andere Ursachen bedingt sein kann (z.B. Mittelohrentzündung, Borreliose, Tumor), ist eine umfassende HNO-ärztliche und neurologische Abklärung notwendig. Bei bleibenden Lähmungen stehen chirurgische Wiederherstellungsmassnahmen zur Verfügung, einschliesslich Nervenrekonstruktionen und funktionelle Verfahren.
Ohrenschmalz und Gehörgangsfremdkörper
Ohrenschmalz (Cerumen) ist ein natürliches Sekret, das den Gehörgang schützt und reinigt. Bei manchen Menschen bildet sich übermässig viel Ohrenschmalz oder es kommt zu einer Verlegung des Gehörgangs durch einen Ceruminalpfropf, was zu Hörminderung, Druckgefühl und gelegentlich Ohrenschmerzen führen kann.
Von der Selbstreinigung mit Wattestäbchen ist dringend abzuraten, da diese das Ohrenschmalz häufig tiefer in den Gehörgang schieben und zu Verletzungen des Trommelfells führen können. Die professionelle Entfernung erfolgt unter Sicht mit dem Ohrmikroskop mittels Absaugung oder Spülung.
Gehörgangsfremdkörper treten vor allem bei Kindern auf (Perlen, kleine Spielzeugteile, Insekten). Auch bei Erwachsenen kommen Fremdkörper vor (abgebrochene Wattestäbchenenden, Gehörschutzteile). Die Entfernung sollte fachärztlich unter Sicht erfolgen, um Verletzungen zu vermeiden.
Ohrenschmerzen und Ohrdruck
Ohrenschmerzen (Otalgie) können vielfältige Ursachen haben und sind nicht immer durch eine Ohrerkrankung bedingt. Man unterscheidet primäre Ohrenschmerzen (direkt vom Ohr ausgehend) von übertragenen Schmerzen (aus dem Kiefergelenk, den Zähnen, dem Rachen oder der Halswirbelsäule).
Ohrdruck oder Druckgefühl im Ohr entsteht häufig durch Belüftungsstörungen der Ohrtrompete (Tubenfunktionsstörung), einen Paukenerguss, Ohrenschmalz oder Veränderungen des Innenohrs. Auch beim Fliegen oder Tauchen kann es zu Druckausgleichsproblemen kommen.
Eine diagnostische Abklärung ist notwendig, um die Ursache zu identifizieren und eine gezielte Behandlung einzuleiten. Die Untersuchung umfasst Ohrmikroskopie, Hörprüfung und Tympanometrie (Messung des Mittelohrdrucks).
Juckreiz in den Ohren
Juckreiz im Gehörgang ist ein häufiges und oft hartnäckiges Problem. Es handelt sich meist um ein Hautproblem, das verschiedene Ursachen haben kann: Ekzem, Pilzinfektion (Otomykose), allergische Reaktionen auf Haarpflegemittel oder Ohrstöpsel, trockene Haut oder chronische Gehörgangsentzündung.
Durch das Kratzen und Manipulieren – insbesondere mit Wattestäbchen, Haarnadeln oder ähnlichen Gegenständen – wird die empfindliche Gehörgangshaut verletzt, was das Problem verschlimmert und bakterielle Superinfektionen begünstigen kann.
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und kann lokale Salben, antimykotische Präparate oder pflegende Öle umfassen. Eine fachärztliche Beurteilung unter dem Ohrmikroskop ist sinnvoll, um die genaue Ursache zu bestimmen und eine gezielte Therapie einzuleiten.